Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit der Frage, welche Bestattungsform zu ihren persönlichen Wünschen und Werten passt. Neben der Erd-, Feuer- oder Seebestattung gewinnt die Reerdigung an Aufmerksamkeit. Doch was genau verbirgt sich hinter dieser noch jungen Bestattungsform? Ist sie in Deutschland erlaubt? Und welche Kosten entstehen?
In diesem Ratgeber erfährst Du, wie eine Reerdigung abläuft, wo sie bereits möglich ist und welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringt.
Was ist eine Reerdigung?
Die Reerdigung ist eine alternative Bestattungsform, bei der der menschliche Körper auf natürliche Weise in fruchtbare Erde umgewandelt wird. Das Verfahren orientiert sich an den natürlichen Kreisläufen der Natur und wird deshalb häufig als besonders nachhaltige Form der Bestattung beschrieben.
Dabei wird der Verstorbene nicht eingeäschert oder klassisch beerdigt. Stattdessen erfolgt die Umwandlung des Körpers zu Erde unter kontrollierten Bedingungen mithilfe natürlicher Materialien wie Stroh, Heu und Grünschnitt.
Nach Abschluss des Prozesses wird die entstandene Erde auf einem Friedhof beigesetzt.
Wie läuft eine Reerdigung ab?
- Einbettung in einen Reerdigungskokon
Der Verstorbene wird in einem biologisch abbaubaren Tuch in einen speziellen Behälter – häufig als Kokon bezeichnet – gebettet. Dort wird der Körper mit natürlichen Pflanzenmaterialien umgeben.
- Natürlicher Umwandlungsprozess
Durch Sauerstoff, Mikroorganismen und Wärme beginnt ein natürlicher Prozess, bei dem der Körper innerhalb von etwa 40 Tagen in Erde umgewandelt wird. Dieser Vorgang ähnelt der Humusbildung in der Natur. Übrig bleibt das leichtere, anorganische Knochenmaterial. Die verbliebenen Knochen werden zusammen mit der entstandenen neuen Erde mit einer Mühle zermahlen. Sie sind in der feinrieseligen Erde dann nicht mehr zu sehen.
- Beisetzung
Nach Abschluss des Prozesses wird die entstandene Erde in ein Grab auf einem Friedhof eingebracht. Angehörige können dort – ähnlich wie bei einer klassischen Grabstätte – einen Ort des Erinnerns und Gedenkens besuchen.
Welche Vorteile bietet eine Reerdigung?
Menschen entscheiden sich aus unterschiedlichen Gründen für diese Bestattungsform.
Zu den häufig genannten Vorteilen gehören:
- natürliche Rückkehr in den Kreislauf der Natur
- kein Verbrennungsprozess wie bei einer Feuerbestattung
- vergleichsweise geringer Energieverbrauch
- Grabstätte als Ort des Erinnerns bleibt erhalten
- für Menschen interessant, denen Nachhaltigkeit wichtig ist
- Zeit für Trauer: Eine Reerdigung dauert 40 Tage. So kann Ruhe und Zeit für Trauer in den Bestattungsprozess einkehren
Gibt es auch Nachteile?
Da die Reerdigung eine neue Bestattungsart ist, gibt es einige Besonderheiten.
Dazu gehören:
- sie ist derzeit nur in wenigen Bundesländern zugelassen
- noch nicht jedes Bestattungsunternehmen bietet sie an
- die rechtlichen Voraussetzungen unterscheiden sich je nach Bundesland
- die Auswahl an Friedhöfen ist bislang begrenzt
Wer sich eine Reerdigung wünscht, sollte sich daher frühzeitig informieren und den Wunsch möglichst in den persönlichen Vorsorgeunterlagen festhalten.
Ist eine Reerdigung überall in Deutschland erlaubt?
Nein.
Die Reerdigung ist derzeit nicht bundesweit zulässig. Das Bestattungsrecht wird in Deutschland von den einzelnen Bundesländern geregelt. Deshalb entscheidet jedes Bundesland selbst, welche Bestattungsformen erlaubt sind.
Aktuell ist die Reerdigung unter bestimmten Voraussetzungen in:
- Schleswig-Holstein
- Hamburg
- Mecklenburg-Vorpommern
möglich. In weiteren Bundesländern laufen politische und rechtliche Diskussionen über eine mögliche Zulassung.
Da sich die Rechtslage ändern kann, empfiehlt es sich, sich vor einer Entscheidung bei einem Bestattungsunternehmen oder der zuständigen Friedhofsverwaltung über die aktuellen Regelungen zu informieren.
Das Unternehmen MEINE ERDE ist Pionier für Reerdigung und aktuell das einzige Unternehmen in Europa, welches Reerdigungen anbietet.
Wo findet die Reerdigung statt?
Die Reerdigungskokons brauchen einen geschützten Ort. Dieser wird Alvarium genannt, lateinisch für Bienenstock.
Die anschließende Beisetzung der entstandenen Erde findet auf einem Friedhof statt. Damit bleibt die Friedhofspflicht bestehen, die in Deutschland grundsätzlich für menschliche Überreste gilt.
Was kostet eine Reerdigung?
Die Kosten einer Reerdigung beginnen bei 4.250 €.
Die genaue Höhe hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:
- Leistungen des Bestattungsunternehmens
- Kosten der Reerdigungseinrichtung
- Friedhofsgebühren
- Grabart
- Trauerfeier
- Region
Zusätzliche Kosten können beispielsweise entstehen für:
- Grabstein oder Grabgestaltung
- Trauerkarten
- Blumenschmuck
- musikalische Begleitung
- individuelle Abschiedsfeier
Übernimmt eine Sterbegeldversicherung die Kosten?
Ob Erd-, Feuer-, Seebestattung oder Reerdigung: Unsere Sterbegeldversicherung stellt Deinen Hinterbliebenen die vereinbarte Versicherungssumme zur Verfügung. Sie kann grundsätzlich für die Kosten einer Reerdigung verwendet werden. Tipp: Als Begünstigten kannst Du auch direkt ein Bestattungsunternehmen eintragen, das die Reerdigung anbietet.
Für wen kommt eine Reerdigung infrage?
Eine Reerdigung kann eine passende Wahl sein, wenn Dir wichtig ist,
- möglichst naturnah bestattet zu werden,
- einen festen Ort des Erinnerns auf einem Friedhof zu haben,
- auf eine Feuerbestattung verzichten zu wollen oder
- Nachhaltigkeit bei Deiner Bestattung zu berücksichtigen.
Ob diese Bestattungsform zu Deinen persönlichen Vorstellungen passt, solltest Du in Ruhe mit Dir selbst klären. Halte Deine Entscheidung am besten schriftlich fest.
Kann ich eine Reerdigung bereits zu Lebzeiten festlegen?
Ja.
Wenn Du Dir eine Reerdigung wünschst, solltest Du diesen Wunsch möglichst schriftlich festhalten. In unserem Vorsorgedokument Meine letzten Wünsche kannst Du Deine Wünsche rund um Deine Bestattung dokumentieren. So wissen Deine Angehörigen im Trauerfall, welche Bestattungsform Du Dir vorgestellt hast.
Hilfreich ist es außerdem, Deine Wünsche mit Deinen Angehörigen zu besprechen. Das schafft Klarheit und kann ihnen im Ernstfall wichtige Entscheidungen erleichtern.
Häufige Fragen zur Reerdigung (FAQs)
Ist eine Reerdigung dasselbe wie eine Erdbestattung?
Nein. Bei einer Erdbestattung wird der Verstorbene in einem Sarg direkt in der Erde beigesetzt. Bei einer Reerdigung wird der Körper zunächst in einer speziellen Einrichtung in Erde umgewandelt und anschließend beigesetzt.
Ist eine Reerdigung umweltfreundlicher als eine Feuerbestattung?
Die Reerdigung wird häufig als ressourcenschonende Alternative beschrieben, da kein Kremationsprozess erforderlich ist. Wie nachhaltig eine Bestattungsform insgesamt ist, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab, etwa Transportwegen, Grabgestaltung und Friedhofsnutzung.
Was passiert mit den Knochen bei einer Reerdigung?
Bei einer Reerdigung verstoffwechseln die beteiligten Mikroorganismen die organische Materie. Knochen bestehen zu 70 bis 80 % aus anorganischem Material, hauptsächlich aus Mineralien. Bei allen Bestattungsarten zersetzen sich die Knochen aufgrund ihrer Härte deutlich langsamer. Im Krematorium werden sie nach der Verbrennung gemahlen. So auch bei der Reerdigung, wo sie dann als mineralischer Bestandteil der Erde für Pflanzen verfügbar sind.
Kann jeder eine Reerdigung wählen?
Grundsätzlich ja – sofern sie im jeweiligen Bundesland zugelassen ist und ein entsprechendes Angebot verfügbar ist.
Gibt es nach einer Reerdigung eine Grabstätte?
Ja. Die entstandene Erde wird auf einem Friedhof beigesetzt. Angehörige haben damit weiterhin einen festen Ort zum Erinnern und Gedenken.
Ist die neue Erde unbedenklich?
Die Mikroorganismen erzeugen während der Umwandlung Temperaturen von bis zu 70 Grad Celsius. Diese Temperaturen zerstören schädliche Krankheitserreger und verwandeln den Körper und das pflanzliche Substrat in Erde, die für Mensch und Umwelt unbedenklich ist. Der Anbieter MEINE ERDE testet neue Erde regelmäßig auf Schadstoffe, die stets unter den jeweiligen Grenzwerten liegen. Die neue Erde erfüllt alle Anforderungen als langfristiger Bodenverbesserer und eignet sich zusammen mit dem Oberboden des Friedhofs ideal für Neupflanzungen.
Ist eine Reerdigung teurer als eine Feuerbestattung?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Kosten unterscheiden sich je nach Region, Anbieter und Grabart. Derzeit liegt die Reerdigung häufig im mittleren bis gehobenen Kostenbereich vergleichbarer Bestattungsformen.
Fazit
Die Reerdigung ist eine noch junge Bestattungsform, die den natürlichen Kreislauf des Lebens in den Mittelpunkt stellt. Sie bietet eine Alternative zur Erd- und Feuerbestattung und ist insbesondere für Menschen interessant, die Wert auf eine naturnahe und nachhaltige Bestattung legen.
Da die rechtlichen Regelungen in Deutschland noch nicht einheitlich sind, lohnt es sich, sich frühzeitig über die Möglichkeiten im eigenen Bundesland zu informieren. Wer seine Wünsche zur Bestattung bereits zu Lebzeiten festhält und mit seinen Angehörigen bespricht, schafft Klarheit und entlastet seine Familie im Ernstfall.
In unserem Vorsorgedokument Meine letzten Wünsche kannst Du Deine Wünsche rund um Deine Bestattung dokumentieren und Deinen Angehörigen im Ernstfall Orientierung geben. Jetzt kostenlos anfordern.




