Das Wichtigste auf einen Blick
Trauer ist eine persönliche Reaktion auf einen Verlust. Sie kann sich unterschiedlich zeigen und lässt sich nicht nach einem festen Zeitplan durchleben. Manche Menschen sind zunächst wie betäubt, andere fühlen Wut, Leere oder große Sehnsucht. Auch körperliche Beschwerden oder Schwierigkeiten im Alltag können dazugehören. Die häufig genannten fünf Phasen der Trauer nach Elisabeth Kübler-Ross, Psychiaterin und Sterbeforscherin, können helfen, bestimmte Gefühle besser einzuordnen. Sie sind jedoch kein festes Modell, das jeder Mensch in derselben Reihenfolge durchläuft.
Trauer muss nicht allein bewältigt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin betont, dass Trauer Zeit, Raum und Unterstützung braucht. Familie und Freunde können Halt geben. Darüber hinaus gibt es professionelle Unterstützung bei Trauer, etwa durch Trauerbegleitung, Hospizdienste, Trauergruppen oder psychotherapeutische Angebote. Wichtig ist vor allem, die eigene Trauer ernst zu nehmen und Unterstützung anzunehmen, wenn sie guttut oder notwendig wird.
Was ist Trauer?
Trauer ist eine natürliche, komplexe Reaktion auf einen Verlust, die Menschen emotional, körperlich und sozial erfasst. Besonders häufig denken wir dabei an den Tod eines Menschen, der uns nahesteht. Aber auch Verluste, die nicht mit einem Todesfall verbunden sind, können Trauer auslösen.
Jeder Mensch erlebt Trauer auf seine Weise. Manche möchten über den verstorbenen Menschen sprechen und Erinnerungen teilen, andere brauchen (zunächst) Ruhe und Abstand. Auch scheinbar widersprüchliche Gefühle können gleichzeitig auftreten.
Trauer ist deshalb nichts, was Du „richtig“ oder „falsch“ machen kannst. Es gibt keinen festen Weg und keinen Zeitpunkt, an dem sie abgeschlossen sein muss.
Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) beschreibt Trauer als eine Lebenserfahrung, die nahezu jeder Mensch im Laufe seines Lebens macht. Die Trauer wird ein Teil von uns und hat eventuell auch eine Auswirkung auf die Familie, den Freundeskreis und die Gemeinschaft.
Wie gehe ich mit Trauer um?
Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Was einem Menschen hilft, muss nicht für einen anderen gelten.
Trotzdem können einige Dinge dabei unterstützen, mit der eigenen Trauer umzugehen:
Gefühle zulassen
Trauer kann viele Gesichter haben. Traurigkeit, Wut, Angst, Schuldgefühle, Erleichterung, Einsamkeit oder Sehnsucht können Teil des Trauerprozesses sein.
Du musst Deine Gefühle nicht unterdrücken oder sofort verstehen. Es kann helfen, ihnen Raum zu geben und mit einem vertrauten Menschen darüber zu sprechen.
Im Austausch bleiben
Du musst Trauer nicht allein bewältigen. Gerade in einer schwierigen Zeit kann Gemeinschaft Halt geben. Freunde, Familie oder andere Menschen, die Dir nahestehen, können zuhören, mit Dir schweigen oder Dich im Alltag unterstützen.
Wenn Du Dir weitere Unterstützung wünschst, gibt es Möglichkeiten der Trauerhilfe und Trauerbegleitung.
Manchmal fällt es schwer, konkret um Hilfe zu bitten. Dabei kann es entlastend sein, wenn jemand beispielsweise einkauft, kocht, Dich zu einem Termin begleitet oder einfach da ist.
Strukturen im Alltag
Trauer kann viel Kraft kosten. Schlaf, regelmäßiges Essen, Bewegung und kleine Pausen können deshalb wichtig sein. Auch neue Routinen einzubauen, wie z. B. ein Spaziergang zum Grab oder ein stilles Gespräch mit dem Verstorbenen, können wertvoll sein.
Es geht dabei nicht darum, möglichst schnell wieder „normal“ zu funktionieren. Kleine Strukturen können vielmehr dabei helfen, in einer schweren Zeit durch einen Tag zu kommen.
Erinnerungen ihren Platz geben
Erinnerungen können schmerzhaft sein und gleichzeitig Trost schenken. Ein Fotoalbum, ein persönlicher Gegenstand, ein bestimmter Ort oder ein Ritual können dabei helfen, die Verbindung zu einem verstorbenen Menschen auf eine persönliche Weise weiterzutragen.
Die 5 Phasen der Trauer: Was steckt dahinter?
Wenn es um Trauer geht, werden häufig die fünf Phasen nach Psychiaterin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross genannt:
1. Nicht-Wahrhaben-Wollen
Nach einem Verlust kann es zunächst schwerfallen, zu begreifen, was passiert ist. Manche Menschen fühlen sich wie betäubt oder funktionieren einfach weiter.
Das kann eine Art Schutz sein. Gefühle müssen nicht sofort vollständig verarbeitet werden.
2. Wut
Wut kann sich gegen unterschiedliche Dinge richten: gegen die Situation, gegen andere Menschen, gegen sich selbst oder gegen das Gefühl, dass etwas nicht gerecht ist.
Auch Wut kann Teil der Trauer sein. Sie macht die Trauer nicht weniger berechtigt.
3. Verhandeln
In dieser Phase können Gedanken entstehen wie: „Wenn ich doch nur …“ oder „Hätte ich vielleicht …“.
Solche Gedanken sind nach einem Verlust nicht ungewöhnlich. Sie können Ausdruck des Wunsches sein, etwas Geschehenes rückgängig zu machen oder eine andere Erklärung zu finden.
4. Depression
Mit dem Begriff ist in diesem Modell eine Phase tiefer Niedergeschlagenheit gemeint. Leere, Rückzug, Erschöpfung und eine starke Sehnsucht nach dem verstorbenen Menschen können die Trauer begleiten.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen einer normalen Trauerreaktion und einer psychischen Erkrankung. Wenn die Belastung sehr stark ist oder über längere Zeit anhält, kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein.
5. Akzeptanz
Akzeptanz bedeutet nicht, dass der Verlust vergessen ist oder keine Traurigkeit mehr vorhanden ist.
Vielmehr kann es bedeuten, die Realität des Verlusts anzunehmen und Schritt für Schritt einen eigenen Weg im Leben mit diesem Verlust zu finden.
Info: Kübler-Ross entwickelte ihr Modell ursprünglich im Zusammenhang mit Menschen, die mit einer unheilbaren Erkrankung und ihrem eigenen Sterben konfrontiert waren. Doch auch die Trauer von Angehörigen nach einem Verlust kann in die genannten Phasen eingeordnet werden.
Das Modell sollte nicht als allgemeingültiger Ablauf für die Trauer nach dem Tod eines anderen Menschen verstanden werden. Trauerverarbeitung ist meist kein geradliniger Prozess. Vielleicht erkennst Du Dich in einzelnen Gefühlen wieder, vielleicht auch überhaupt nicht. Beides ist in Ordnung. Die DGP beschreibt beispielsweise das sogenannte Duale Prozessmodell, bei dem Menschen zwischen der Auseinandersetzung mit dem Verlust und der Orientierung am weiteren Leben wechseln können.
Wo finde ich Unterstützung bei Trauer?
Trauer kann leichter werden, wenn Du Menschen an Deiner Seite hast. Welche Form der Unterstützung passt, hängt dabei von Deiner persönlichen Situation ab.
Familie und Freunde
Menschen aus Deinem persönlichen Umfeld sind häufig die erste Anlaufstelle. Sie können zuhören, praktische Aufgaben übernehmen oder einfach Gesellschaft leisten.
Manchmal wissen Angehörige und Freunde selbst nicht, was sie sagen oder tun sollen. Ein offenes Gespräch darüber, was Dir gerade guttut, kann helfen.
Trauerbegleitung
Eine Trauerbegleitung kann Dich dabei unterstützen, Deinen persönlichen Umgang mit dem Verlust zu finden. Trauerbegleitung wird ehrenamtlich und professionell angeboten.
Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband und der Bundesverband Trauerbegleitung haben gemeinsam einen Rahmen für die Qualifizierung von Trauerbegleitung und Trauerberatung entwickelt. Damit sollen qualifizierte Angebote für trauernde Menschen gestärkt werden.
Hospizdienste
Auch ambulante Hospizdienste können eine wichtige Anlaufstelle sein. Sie begleiten nicht nur schwerstkranke Menschen, sondern können auch Angehörige und trauernde Hinterbliebene unterstützen.
Welche Angebote es konkret gibt, unterscheidet sich je nach Region.
Trauergruppen
In einer Trauergruppe kannst Du Menschen kennenlernen, die selbst einen Verlust erlebt haben. Der Austausch kann dabei helfen, sich mit den eigenen Gefühlen weniger allein zu fühlen.
Dabei musst Du nicht mehr erzählen, als Du möchtest. Auch Zuhören kann bereits hilfreich sein.
Psychotherapeutische Unterstützung
Manchmal ist die Belastung so groß, dass professionelle Hilfe sinnvoll wird. Besonders dann, wenn Du über längere Zeit kaum noch am Alltag teilnehmen kannst oder Deine Trauer mit einer starken psychischen Belastung verbunden ist.
Wann sollte ich mir Hilfe holen?
Es gibt keinen bestimmten Zeitpunkt, an dem Du Dir Unterstützung holen „musst“. Du darfst Dir Hilfe suchen, sobald Du das Gefühl hast, dass sie Dir guttun könnte.
Besonders sinnvoll kann professionelle Unterstützung sein, wenn Du
- Dich dauerhaft überfordert oder völlig allein fühlst,
- kaum noch am Alltag teilnehmen kannst,
- über längere Zeit unter starker psychischer Belastung leidest,
- keine Kraft mehr für grundlegende Dinge hast,
- oder selbst merkst, dass Du mit Deiner Situation nicht mehr weiterkommst.
Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche. Sie kann ein wichtiger Schritt sein, um wieder mehr Halt zu finden.
Trauerbewältigung: Es gibt keinen richtigen Weg
Trauerbewältigung bedeutet nicht, einen Verlust möglichst schnell hinter sich zu lassen. Es geht vielmehr darum, einen eigenen Umgang mit dem Verlust zu finden.
Manche Tage können leichter sein, andere wieder schwerer. Ein Lied, ein Geruch, ein Ort oder ein bestimmtes Datum kann Erinnerungen zurückbringen. Auch das bedeutet nicht automatisch, dass Du „wieder am Anfang“ stehst.
Trauer darf sich verändern. Und Du darfst Deinen eigenen Weg gehen.
Fazit: Trauer braucht Zeit, Raum und Menschen an Deiner Seite
Trauer ist individuell. Es gibt keinen festen Zeitplan und keine Anleitung, die für alle Menschen funktioniert. Die fünf Phasen nach Kübler-Ross können bestimmte Gefühle beschreiben, sollten aber nicht als verbindlicher Ablauf verstanden werden.
Was vielen Menschen hilft, ist Unterstützung: durch Familie und Freunde, durch eine Trauerbegleitung, eine Trauergruppe, einen Hospizdienst oder durch professionelle therapeutische Hilfe.
Gerade in Zeiten, in denen Vieles schwerfällt, zeigt sich, wie wichtig Gemeinschaft und füreinander da zu sein sind. Trauer muss nicht allein getragen werden.
DELA Familienschutz
Wir als DELA möchten Menschen dabei unterstützen, füreinander vorzusorgen und Angehörige zu entlasten – nicht erst im Trauerfall, sondern auch schon vorher. Denn Vorsorge bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und den Menschen, die uns wichtig sind, Orientierung und Sicherheit zu geben.
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